Das Kirchenjahr - Ein Haus in der Zeit

Unser ganzes Leben verläuft nach einem Rhythmus. Wir leben im Wechsel von Tag und Nacht, Ruhe und Arbeit, von Alltag und Feiertag. Das Kirchenjahr meint den eigenen Rhythmus, nach dem in der christlichen Gemeinde die Wochen und Feste im Laufe eines Jahres gestaltet werden. Im Wesentlichen vergegenwärtigt das Kirchenjahr das Leben Jesu Christi und seine Bedeutung für uns Menschen. In seinen Grundzügen geht das Kirchenjahr auf die Alte Kirche zurück, so dass vieles den verschiedenen Konfessionen gemeinsam ist. Das Kirchenjahr beginnt am 1. Advent. Es steht nicht im Gegensatz zum bürgerlichen Kalender, aber es setzt andere Schwerpunkte. Die Kirchenjahresfeste sind eine heilsame Unterbrechung des Alltags. Das Kirchenjahr will Zeit und Raum geben, Gott in der Gemeinschaft der Christen zu feiern und daraus Kraft für den Alltag zu schöpfen.

Mit dem Kirchenjahr sind wechselnde Farben verbunden, erkennbar an den Paramenten, den Tüchern an Altar und Kanzel und evtl. der Stola (= schalähnlicher, langer, schmaler Umhang) auf dem Talar. Das lichte Weiß ist die Christusfarbe zu Weihnachten (Fest der Geburt Christi), Epiphanias (Fest der Heiligen  3 Könige) und Ostern (Fest der Auferstehung Christi vom Tode). Dagegen weist das Schwarz als Verneinung jeder Farbe auf den Tod Jesu. Mit Violett als Bußfarbe kündigen Advent und Passionszeit die hohen Feste an und bereiten darauf vor. Grün als ruhige Farbe lässt in den Wochen nach Trinitatis (Fest der heiligen Drei-Einigkeit von  Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist) an Wachsen und Gedeihen, an Hoffnung und stetigen Segen denken. Rot erinnert an feurige Flammen wie zu Pfingsten (Fest des Heiligen Geistes, der auf die Apostel herabkam)  , an die Liebe, an den Heiligen Geist.

An dieser Stelle finden Sie  immer Informationen zu den aktuellen Festen und Feierzeiten  des Kirchenjahres, und zwar die aktuellen Feste zuerst und im Anschluss daran die jeweils abgelaufenen Feste und Festkreise!

Trinitatis

Trinitatis (lateinisch: „Dreifaltigkeit") ist das Dreifaltigkeitsfest/ Dreieinigkeitsfest am ersten Sonntag nach Pfingsten. Das Fest wurde erst 1334 in den Römischen Kalender eingeführt und ist der Verehrung der drei göttlichen Personen Gottvater, Gottsohn und Gott Heiliger Geist gewidmet.

Die zwei Begriffe Dreifaltigkeit bzw. Dreieinigkeit spiegeln die Schwierigkeit der Rede von dem einen Gott, der sich in drei Personen zeigt wieder.

Trinitatis ist der Beginn der Zeit im Kirchenjahr, die ohne große Feste ist. Die Sonntage werden „nach Trinitatis" gezählt: 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Sonntag n. Trinitatis, usw. Die liturgische Farbe ist Grün.

Pfingsten

Pfingsten (von griechisch „pentekoste", „der fünfzigste Tag") ist das Fest der Entsendung des Heiligen Geistes. Es geht auf das jüdische Wochenfest Schawuot zurück und wird wie dieses fünfzig Tage nach Ostern bzw. Pessach gefeiert. In der Apostelgeschichte im Neuen Testament wird berichtet, dass der Geist Gottes auf die Jünger und Apostel herabkam, als sie in Jerusalem waren. Pfingsten wird als das Fest der Gründung der Kirche verstanden und bildet den Abschluss der Osterzeit.

Als „Pfingstwunder" bezeichnet man die wunderbare Fähigkeit der Jünger in allen Sprachen zu sprechen und alle Sprachen zu verstehen. Das Evangelium soll allen Menschen unabhängig von ihrer Nation verkündigt werden.

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen."    (Apostelgeschichte 2,1-4)

Symbol für das Pfingstgeschehen sind Wind und Feuerzungen. Der Wind steht für die Unverfügbarkeit des Geistes, der weht, wo er will. Die Geistesgaben sind Geschenk Gottes und nicht eigener Verdienst.

Das Feuer steht für die Liebe und Leidenschaft für die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus, für das die Jünger an Pfingsten begeistert werden.

Pfingstbräuche 

Ein Brauch, der in Deutschland praktiziert wird, ist das so genannte „Birkenstecken"(1). In der Pfingstnacht machen sich Junggesellen auf, um ihrer Liebsten eine Birke an die Hauswand zu stellen. Dies symbolisiert seine Zuneigung zu ihr. Zudem ist es in einigen Landstrichen üblich, eine Kalkspur von der gesteckten Birke bis zum Haus des Junggesellen zu streuen, um die Herkunft der Birke aufzuklären.
(1) Fotos: Mit freundlicher Genehmigung des Jugendclubs Ruppersdorf
(
www.jugendclub-ruppersdorf.de)

 

Ostern

Ostern – das Fest der Auferweckung Jesu – ist das wichtigste und älteste christliche Fest. Ostern ist die Mitte des Kirchenjahres und das Zentrum des christlichen Glaubens. Die Bibel erzählt, dass Jesus am dritten Tag nach seinem Tod von Gott zu neuem Leben auferweckt wurde.

Ostern und das jüdische Passafest

Ostern steht in enger Nähe zum jüdischen Pessach (Passa), das die göttliche Befreiung aus Ägypten feiert. Christen feiern die Befreiung vom Tod in der Auferweckung Jesu.

Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments fiel der Tod Jesu auf das Pessachfest fällt. Die christliche Tradition hat darüber hinaus auch inhaltliche Elemente des Pessachfestes aufgenommen und auf Jesus bezogen. Dazu gehört das Symbol des Osterlammes, das an die zu Pessach im Jerusalemer Tempel geschlachteten Lämmer erinnert.

In der frühen Christenheit wurde ein christliches Passafest gefeiert, das am Ostermorgen in den Jubel über die Auferweckung Jesu mündete.

Der Sonntag als „Wochenostern

Der allwöchentliche Ruhe- und Feiertag der Christen, der Sonntag ist das sogenannte „Wochenostern“, ein Auferstehungfest.

Die Sonntage nach Ostern sind besonders davon bestimm: Mit der Auferstehung wurde neues Leben eröffnet und das gibt Grund zur Freude (Sonntag Jubilate), zum Singen (Sonntag Kantate), zum Beten (Sonntag Rogate).

Der Begriff „Ostern“ leitet sich vom germanischen Wort für „Morgenröte“ ab und spielt damit auf die Feier der Auferstehung Christi am frühen Morgen an.

Wann wird Ostern gefeiert?

Der jährliche Ostertermin wechselt. Ostern wird stets am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.

Die österliche Freudenzeit dauert 40 Tage (bis Himmelfahrt) bzw. 50 Tage (bis Pfingsten).

Osterbräuche:         Es gibt zahllose Osterbräuche und Symbole, die versuchen das neue Leben das in Christus begonnen hat auszudrücken. In das christliche Osterfest sind viele Bräuche der germanischen Frühlingsfeste eingeflossen. Dazu gehören die Osterfeuer, Osterräder, der Osterhase, Ostereier und vieles mehr.

 

Die Passionszeit

Was heißt Passion?

Passion ist die Bereitschaft, Leiden auf sich zu nehmen. Sie ist ein unübersehbares Kennzeichen des Weges Jesu von Nazareth. Er setzt sich nicht nur der irdischen Begrenztheit, Schuld und Versagen, Vergänglichkeit und Tod aus, sondern er duldet das schmachvolle und quälende Sterben am Kreuz. Jesus antwortet auf die Gewalt nicht mit Gegengewalt.

Das Kreuz macht deutlich, wieweit menschliche Sünde gehen kann: Gott selbst, der in Jesus Christus die Liebe zu den Menschen verkörpert, wird in Frage gestellt und ausgestoßen. Gott muss sich, um die Sünde zu überwinden, in das Leiden und den Tod begeben. Und er zeigt sich gerade darin als der Gott der Liebe und des Lebens, der Jesus zu neuem Leben auferweckt.

So ist das Kreuz steht für die Einsicht und Erfahrung, dass zu unserer Welt die Realität von Leiden und Tod ebenso gehört wie die Realität eines neuen Anfangs und die bleibende Zuwendung Gottes.

Wie gliedert sich die Passionszeit?

Die Passionszeit beginnt am Aschermittwoch und dauert bis Karsamstag. Sie umfasst vierzig Tage, da die Sonntage und Gründonnerstag nicht als Fastentage gerechnet werden. In dieser Zeit begleiten Christen an den verschiedenen Sonntagen den Weg Jesu nach Jerusalem, den Ort seines Todes.

Sonntag Invokavit: Jesus wird auf die Probe gestellt – wie wir.

Sonntag Reminiszere: Jesus wird den Menschen ausgeliefert

Sonntag Okuli: Was es heißt Jesus nachzufolgen

Sonntage Lätare und Judika: Jesu Hingabe

(Die lateinischen Bezeichnungen der Sonntag stammen von den Psalmen des jeweiligen Sonntags.)

Fasten- oder Passionszeit?

In der katholischen Kirche spricht man von der Fastenzeit. Martin Luther sprach sich gegen ein Fasten aus, das darauf abzielt, Gott mit seinem Handeln zu gefallen. Evangelische Christen stellen daher die Erinnerung an das Leiden Christi ins Zentrum der Passionszeit. In dieser Tradition stehen die vielerorts stattfindenden Passionsandachten und Passionsspiele.

Und heute?

Als Zeit der Selbstprüfung, der Umkehr (Violett als Bußfarbe) und des Verzichts ist diese Zeit wieder neu entdeckt worden. Seit rund 25 Jahren versucht die Aktion „Sieben Woche ohne" der Evangelischen Kirche geistliche Praxis wieder mit einer körperlichen Erfahrung zu verbinden: dem Verzicht auf Rauchen, Alkohol trinken, Fernsehen, …

Die Karwoche

Die letzte Woche der Passionszeit ist die Karwoche. Sie gliedert sich so:

 

o Palmsonntag (6. Passionssonntag): Jesus zieht in Jerusalem ein

 

 

 

o Gründonnerstag: Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu
 

 

 

o Karfreitag: Jesus wird von den Römern hingerichtet und stirbt am Kreuz
 

 

 

o Karsamstag: Tag der Grabesruhe Jesu bis endlich in der Osternacht der Sieg des Lebens über den Tod gefeiert wird.

 

 

Epiphanias (Erscheinung Christi) und
Heilige Drei Könige

Epiphanias bzw. Epiphanie oder Erscheinung des Herrn ist der ursprüngliche und heute noch meist gebrauchte Namen des 6. Januars.

Das Fest geht ursprünglich auf einen römischen Kaiserkult zurück, bei dem zu Beginn des Jahres der Kaiser in einem bestimmten Zeremoniell als Gott gefeiert wurde. Die Christen, welche es ablehnten den Kaiser als Gott anzubeten, machten daraus das Epiphaniasfest.
Mit Erscheinung ist die menschliche Gegenwart Gottes durch Jesus gemeint. Dabei gedenkt man der Geburt Jesu mit der Anbetung der Weisen aus dem Orient, seiner Taufe und seinem ersten Wunder bei der Hochzeit zu Kana.
Epiphanias am 6. Januar und die folgenden Wochen zeigen anschaulich, wie durch Jesu Erscheinen, seine Verkündigung und sein Handeln Lebensverhältnisse verwandelt werden: Aus Mangel wird Fülle, aus Fremdheit wird Nähe, aus Angst wird Vertrauen.

In der katholischen Kirche und in vielen Kalendern ist das Epiphaniasfest vor allem als Dreikönigsfest bekannt. Das Fest wird den so genannten "drei Weisen aus dem Morgenland" zugeordnet, die laut dem Matthäusevangelium einen hellen Stern sahen, der ihnen die Geburt eines Königs ankündigte. Sie folgten dem Stern und fanden das Christkind im Stall von Bethlehem und beteten es an.
In der katholischen Kirche entstand der Brauch der Sternsinger. Als Könige verkleidete Kinder gehen von Haus zu Haus, singen Lieder, sammeln Spenden und hinterlassen an der Tür die Buchstaben   „20 C+M+B 08". Die Buchstaben sind nicht die Abkürzung der Namen der Könige (Caspar, Melchior und Balthasar), sondern des Segensspruches „Christus mansionem benedicat" = „Christus segne dieses Haus".

 

Jahreswechsel

Mitten in die Weihnachtszeit fällt der Wechsel des Kalenderjahrs – Silvester und Neujahr sind keine ursprünglich christlichen Feste. Das Kirchenjahr als Christusjahr hat ja schon am Ersten Advent begonnen.

Aber für viele Menschen haben diese Tage „zwischen den Jahren“ eine tiefe Bedeutung. Rückblick ist angesagt auf das Gelungene des letzten Jahres und auf dessen Belastungen. Und natürlich Ausblick und gute Vorsätze für das Neue Jahr.

Karl-Heinrich Bieritz (*10.12.1936 in Schmalkalden, Thüringen, evangelischer Theologe, Berlin / Rostock,) schreibt zum Altjahresabend: „In die Weihnachtswoche, die alte Festwoche, fällt der Jahreswechsel. In evangelischen Gemeinden gehört ein Gottesdienst am Abend des 31. Dezember — neuerdings immer häufiger auch in der Nacht — zur festen Praxis. Dies stellt zugleich eine Art Kontrastprogramm zur lärmigen, besinnungslosen Geschäftigkeit dar, die die Begehung des Jahreswechsels weithin kennzeichnet. In einem Gebet heißt es: »Du tröstest uns, Gott, und du forderst uns heraus ... Über Verlorenes und Zerbrochenes dürfen wir vor dir trauern, für Gutes und Schönes dir danken.«“

Weiter schreibt Bieritz zum Neujahrstag: „Nach der Chronologie des Lukas findet acht Tage nach der Geburt die Beschneidung des Kindes statt, bei der es den Namen Jesus erhält. Diese Notiz gab Anlass, den 1. Januar als Tag der Beschneidung und Namensgebung Jesu zu begehen. Daneben gab es schon in der Alten Kirche den Brauch, die ersten drei Januartage mit Bußgottesdiensten und Fastenübungen zu begehen und Christus als Herrn der Zeit zu verkünden. Martin Luther polemisierte gegen den Brauch, »das Neujahr auszuteilen auf der Kanzel«, und forderte, stattdessen über die Beschneidung und den Namen Jesu zu predigen. Für ihn begann das neue Jahr mit Weihnachten. Dennoch hielt sich in den evangelischen Kirchen der Gottesdienst zum Neujahrstag.“

(Abbildung: Aus dem Antwerpener Schnitzaltar in der kathol. Pfarrkirche Heilig-Kreuz in Geilenkirchen-Süggerath, Quelle: Internet)

Zum Brauch in vielen Evangelischen Gemeinden ist es geworden, zum Jahreswechsel das Lied von Dietrich Bonhoeffer (*4.2.1906 in Breslau, ermordet am 9.4.1945 im KZ Flossenbürg, evangelischer Theologe) zu singen:

1. Von guten Mächten treu und still umgeben, / behütet und getröstet wunderbar, / so will ich diese Tage mit euch leben / und mit euch gehen in ein neues Jahr. // Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

2. Noch will das alte unsre Herzen quälen, / noch drückt uns böser Tage schwere Last. / Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen / das Heil, für das du uns geschaffen hast. // Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern / des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, / so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern / aus deiner guten und geliebten Hand. / // Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

4. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken / an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, / dann wolln wir des Vergangenen gedenken, / und dann gehört dir unser Leben ganz. // Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

5. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, / die du in unsre Dunkelheit gebracht, / führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. / Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht. / // Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, / so lass uns hören jenen vollen Klang / der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, / all deiner Kinder hohen Lobgesang. // Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Ein gutes, gesundes und gesegnetes Neues Jahr!

 

Weihnachten – Das Christfest
Das Fest der Geburt Jesu Christi

Christen glauben: In Jesus Christus wird Gott Mensch.

Hauptfest ist der 25. Dezember, der an seinem Vorabend mit dem „Heiligen Abend" beginnt. Die Weihnachtszeit, im Kirchenjahr gekennzeichnet durch die Farbe weiß, dauert vom 25. Dezember, in der Jesu Geburt gefeiert wird, bis zum 6. Januar, Epiphanias (Fest der Erscheinung) genannt. Das Wort „Weihnachten" bezeichnete ursprünglich die erste der zwölf „geweihten" Nächte um die Jahreswende herum.

Weil sich neben „Bethlehem" und „zur Zeit des Kaisers Augustus" (erster römischer Kaiser, 63 vor Chr. bis 14 nach Chr.) nichts Genaueres über ein Geburtsdatum Jesu in der Bibel findet, hat der Termin des Christfestes symbolische Bedeutung. In Rom wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. in der dunkelsten Zeit des Jahres, am 25. Dezember, das heidnische Fest der „Unbesiegbare Sonne" gefeiert. Demgegenüber bekannten Christen mit dem Geburtstag Jesu Christi: in Jesus ist das Licht der Welt und die Sonne der Gerechtigkeit erschienen. Als Mensch, der als Kind in der Krippe zu finden ist, ist Gott zur Welt gekommen.

Im Mittelalter entstand der Brauch des Krippenspieles. 1223 inszenierte Franz von Assisi (Ordensgründer in Italien, 1181/82 - 1226) erstmal das Weihnachtsgeschehen mit lebenden Tieren und Menschen. In vielen Kirchen wird noch heute an Weihnachten die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 nachgespielt. In vielen Familien ist es üblich zu Hause eine Krippe mit Figuren aus Holz oder Ton aufzustellen.

Die Tradition des Christbaumes gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert. Der Christbaum hat sich aus dem „Paradiesbaum" des Mittelalters entwickelt, der mit Äpfeln geschmückt war. Die klassischen roten Kugeln erinnern noch daran. Strohsterne erinnern an den Stern von Bethlehem, der die Geburt Jesu anzeigte und den Weisen aus dem Orient den Weg zur Krippe zeigten.

Der Brauch des Schenkens zu diesem großen Familienfest kann auf die Zuwendung und Liebe Gottes verweisen. Davon soll auch menschliches Miteinander bestimmt sein.

Und wer bringt die Geschenke? - Der Nikolaus oder das Christkind?

 

Vom Nikolaus wird folgende Legende berichtet:

Ein verarmter adliger Vater dreier Töchter steckt in Schwierigkeiten: Um sein Gesicht als Adliger nicht zu verlieren, scheidet das Betteln für ihn aus. Aber irgendwie muss der Unterhalt verdient werden – und auch die Mitgift für die drei Töchter. Also beschließt der Vater, dass alle drei Töchter, wohlerzogene Mädchen, sich prostituieren müssen. Davon hört der junge Nikolaus (Nikolaus, Bischof  von Myra, Kleinasien, ca. 270 - ca. 351 der zu diesem Zeitpunkt noch nicht Bischof war, wohl aber gerade ein stattliches Erbe angetreten hat. Nikolaus zögert nicht lange: in der Nacht wirft er durch das geöffnete Fenster der Mädchen einen Klumpen Gold. Das wiederholt er bis alle drei Kinder versorgt sind. In der dritten Nacht lauert der verarmte Adlige dem Wohltäter auf, um ihm zu danken. Nikolaus antwortete bescheiden, dass er nichts weiter als die Pflicht eines Christen getan hätte.

Diese Legende bildet das Vorbild für die großzügige Bescherung von Kindern. Zunächst gab es nur den Nikolaus, der am 6. Dezember Geschenke brachte. In evangelischen Gebieten wurde die Bescherung durch den heiligen Nikolaus abgeschafft, weil man die Heiligenverehrung ablehnte. Bei evangelischen Christen beschert seitdem Gott selbst: An Weihnachten - als der „heilige Christ"! So entstand das Christkind.

Mit der Zeit wurde aus der Bischofstracht des heiligen Nikolaus ein roter Mantel mit weißem Pelz und die Mitra, die Kopfbedeckung der Bischöfe, wich einer roten Zipfelmütze. So wurde (und wird bis heute) in einigen Regionen Deutschlands an Weihnachten auf das Christkind gewartet, in anderen Gegenden kommt der Nikolaus.

 

Advent

heißt Ankunft und auch Zukunft. Im Altertum bezeichnete dieser Ausdruck den Besuch eines neuen Herrschers in seiner Stadt. Für Christen sind es die vier Wochen am Anfang des Kirchenjahres, die auf das Weihnachtsfest vorbereiten. Jeden Sonntag wird eine weitere Kerze am Adventskranz entzündet, jeder Sonntag hat sein Thema:

Der 1. Advent erinnert an Jesu Einzug in Jerusalem

Der 2. Advent blickt auf Christi Wiederkunft am Ende der Zeiten

Am 3. und 4. Advent stehen zwei biblische Gestalten im Mittelpunkt, welche die Spannung, die auch zur Adventszeit gehört aufzeigt.

Der 3. Advent ist bestimmt von Johannes dem Täufer, dem herben Bußprediger, der dem Messias den Weg bereiten will.

Der 4. Advent ist Maria, der Mutter Jesu gewidmet, welche die Geburt des Retters verkündigt und die so zur Frau „in guter Hoffnung“ wird. Große Komponisten haben ihrem Andenken immer wieder innige  Lieder und Melodien gewidmet.

In den Gemeinden und darüber hinaus wird bereits vorweihnachtlich gefeiert, während die Geschäftigkeit vieler Festvorbereitungen einer Einkehr und Besinnung eher hinderlich sein mag. Das Violett als liturgische (Buß-) Farbe setzt für diese Zeit auch einen fragenden Ton: Wie steht es mit den Erwartungen für das eigene Leben, für Familie und Freundschaft, für das Miteinander hierzulande und unter den Völkern, für den Lauf der Welt?

 

Es gibt viele vorweihnachtliche und adventliche Bräuche. Für Kinder gibt es Adventskalender verschiedenster Ausprägung.

 

Für die Adventszeit typisch ist das Backen von Christstollen oft viele Wochen vor dem Genuss. Denn Christstollen, die ältesten deutschen Weihnachtsgebäcke (bereits anno 1330 urkundlich erwähnt) müssen aufgrund der reichhaltigen Zutaten "reifen".

 

Der Adventskranz mit seinen vier Kerzen weist auf das Licht hin, das Christus in die Welt gebracht hat. 1839 ließ in Hamburg der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern (1808-1881) im Betsaal seines Hauses für  Arme (des „Rauhen Hauses“) zum ersten Mal einen hölzernen Leuchter mit 23 Kerzen aufhängen – 19 kleine rote für die Werktage bis Weihnachten, vier dicke weiße für die Sonntage.



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Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet 13.5.2008. Fragen und Anregungen bitte an Friedrich Veit.

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